Haben Sie das schonmal erlebt? Nichtsahnend wohnen Sie einer Veranstaltung bei, und plötzlich meldet sich Ihr Handy, weil es eine Nachricht via Bluetooth empfangen hat. Skepsis macht sich breit. Erlaubt sich da jemand einen Spaß? Ist es einer der von F-Secure, Kapersky & Co. propagierten und meines Erachtens immer noch völlig lächerlichen Handyviren, der es trotz seiner Schwächlichkeit und seiner grundsätzlichen Designfehler tatsächlich in einer Nacht- und Nebel-Aktion aus dem Labor geschafft hat?
Solche Erlebnisse werden Sie aktuell noch selten haben. Im Gegenteil, an den teilweise auf Bahnhöfen sichtbaren Plakaten mit Werbung streuendem Infrarot-Auge habe ich mich in der Vergangenheit mehrfach vergeblich bemüht, doch bitte endlich einen Gutschein auf meinem Handy empfangen zu dürfen. Ging nicht. Dennoch. Der Sündenfall mit Bluetooth-Werbung ist mir zuletzt 2005 bei einer Messe in Köln passiert. Nervig – eine Bluetooth-Spamschleuder belästigte die gesamte Umgebung mit ihren Botschaften, und ein Kollege nach dem anderen schaltete sein Bluetooth-Modul aus. Übrigens: Dass die meisten Handynutzer den Nahfunk stets deaktiviert haben entspricht nicht meiner Erfahrung.
Löblich ist nun, dass die Werbebranche zu erkennen scheint, dass solche Praktiken die Kunden vergraulen statt begeistern: „Wir begrüßen den stark wachsenden Trend zu innovativen mobilen Marketing-Kampagnen und PoS-Promotions auf Bluetooth-Basis“, erklärt heute in einer Pressemitteilung Alexander Klose, Senior Project Manager und verantwortlich für den Bereich Bluetooth bei 12snap Deutschland. „Zugleich weisen wir explizit auf die Risiken bei unsachgemäßer Planung hin. Wer die einzigartigen Interaktionsmöglichkeiten von Bluetooth in der Kundenansprache nutzen will, sollte unbedingt Zustimmungsroutinen wie das Touch-In-Verfahren einsetzen.”
Meines Erachtens ein zukunftsweisender Weg: Nur wer mit seinem Mobiltelefon oder einem anderen kommunikativen Gerät eine Werbefläche berührt oder sich ihr bis auf sehr geringe Distanz nähert, der stimmt auch dem Erhalt weiterer Informationen bis hin zu Vouchers oder Multimedia-Inhalten zu.
Hoffen wir, dass sich erstens diese Erkenntnis in der Branche nachhaltig durchsetzt und zweitens die Security-Industrie lokale Funkschnittstellen in der Öffentlichkeit nicht gänzlich als Teufelszeug abstempelt – sonst wird das nichts mit den Bluetooth-Promotions.