Notizen von Bernhard Jodeleit

Apple und Medien, gegart im Eigensaft

Dass die Medien gerne im eigenen Saft schmoren ist ja bekannt. Am Beispiel Apple wird mir persönlich die Tragweite aber immer wieder bewusst. Beispiel gestern: SanDisk Sansa Connect die Meldung über SanDisk Sansa Connect, einen MP3-Player, der via WLAN das Webradio von Yahoo wiedergibt, das in weiten Teilen wohl auf der Technologie von Musicmatch beruhen dürfte, bei denen ich mit meiner in die Jahre gekommenen Philips Streamium solange Kunde war, bis Yahoo den Anbieter kaufte und den Dienst zunächst einstellte.

Aber das nur am Rande: Damit langweile ich den Leser und hole gar nicht aus, Yahoo dafür zu loben, dass deren kostenloser Videoclip-Streaming-Dienst Launch selbstlernend ist und sich à la Amazon Schritt für Schritt dem Geschmack seiner Benutzer anpasst.

Denn wichtiger ist auch bei dieser Meldung gestern mal wieder nur eines: Apple. Zwar hat Apple heute kein neues, legendäres Produkt vorgestellt. Nein, das waren ja SanDisk und Yahoo. Dennoch gehören die Schlagzeilen Apple: SanDisk und Yahoo wollen Apple Konkurrenz machen, lassen die meisten Onlinemedien verlauten, und man meint eine Spur Häme zwischen den Zeilen erahnen zu können. der gute alte iPod Pah! Die! Sandisk und Yahoo! Die wollen Apple Konkurrenz machen! Wie unverschämt. Wie aussichtslos. Majestätsbeleidigung. Auch nicht kreativer ist Formulierung “SanDisk und Yahoo tüfteln an iPod-Killer” vom österreichischen Standard. Guter Trick, um sich an bekannte Marken zu hängen: “Der Nokia-Killer von XY” war bei manchem Mobilfunkmagazin schon vor Jahren eine beliebte Titelzeile. Oops, ich war das aber nicht. Oder?

Eigentlich hätte man ja einmal etwas hintergründiger über den drahtlosen Download von Musik auf mobile Player berichten können. Darüber, dass Musik-Mietmodelle wie die Napster-Flat mit drahtloser Anbindung via WLAN und Mobilfunk einen echten Mehrwert bieten, da sie die de-facto-Kulturflatrate sind. Darüber, dass Apple es mit seinem pay-per-track-Modell soweit nicht gebracht hat und darüber, intelligenter als ein kompliziertes iPhone für die affine Elite vielleicht ein iPod mit Mobilfunkanbindung für eine etwas breitere Zielgruppe gewesen wäre.

Apple hat es schon gut: Die Konkurrenz lanciert ein neues Produkt, die Journallie sorgt dafür, dass der Benefit dieser Neuerung nicht kommuniziert und stattdessen die Werbetrommel für Apple gerührt wird. Damit die auch morgen noch kraftvoll zubeißen können. Mir vergeht da der Appetit!