“Ihr lebt in einer Parallellwelt”, schrieb mir mein guter Bekannter Ulf im Facebook-Chat, als ich ihm von dem aktuellen Problem mit meinem persönlichen Twitter-Account berichtete. Suspended, eingefroren – na und? Ulf kann’s nicht nachvollziehen, dass es für mich einer digitalen Nahtoderfahrung gleichkommt, im Moment nicht unter persönlicher Flagge, sondern nur über diverse von mir betreute Accounts “corporate” twittern zu können. Wer sich die Mühe macht, diese Zeilen zu lesen, der gehört jedoch vermutlich zur gleichen Gruppe wie ich, nämlich zu jenen Menschen, für die der persönliche Account inzwischen so etwas wie Blog, Visitenkarte, E-Mail-Ersatz, Schwarmintelligenz- und Recherchetool in einem ist. Ein zentrales Element im sozialen Netz eben.

So sieht das dann aus: #suspended
Nun melde ich mich heute nur in zweiter Linie zu Wort, um über meine persönlichen Befindlichkeiten in dieser Situation zu schreiben. In erster Linie möchte ich, nicht zuletzt aufgrund mehrerer Nachfragen, mal aufklären, was Sache ist und wie es weitergeht – und mich ganz herzlich bei all den Leuten bedanken, die mich direkt und indirekt unterstützt haben und unterstützen. Viele von Euch, ich schätze mindestens zehn, haben Tickets bei Twitter eröffnet. Dafür ganz herzlichen Dank – wer ebenfalls unterstützen möchte, findet hier das entsprechende Formular.
Ganz einfach: Freitagnachmittag hatte es sich für mich ausgezwitschert. Ein Twitter-Algorithmus legte meinen Account auf Eis, nachdem ich mit einem webbasierten Tool viele (wirklich viele) Leute aus meiner Timeline gestrichen hatte, denen ich nicht mehr weiter folgen wollte. Meine Kriterien sind dabei eigentlich immer die gleichen, hier die wichtigsten:
Die meisten Twitter-Nutzer werden ähnliche Kriterien bewusst oder unbewusst anwenden – so eben auch ich. Nichts Besonderes. Alltag. Eine Berufskrankheit ist es in meinem Falle jedoch, stets Ausschau nach geeigneten Tools zu halten, die das Twittern noch effizienter machen – wobei ich mit “Twittern” sowohl das Lesen und Schreiben von Tweets meine als auch das Netzwerk-Management. Webbasierte Tools wie ‘refollow’ machen es beispielsweise extrem leicht, die oben skizzierten Kriterien anzuwenden, die eigene Timeline zu bereinigen – und ebenso beispielsweise die Follower-Listen von Kollegen, Freunden, Wettbewerbern oder wem auch immer übersichtlich angezeigt zu erhalten und auf einen Schlag zahlreichen Twitter-Nutzern zu folgen. Refollow zeigt 100 Nutzer auf einer Seite an und lässt anhand schlichter Kriterien sortieren, ein- und ausschließen, folgen und entfolgen. Das Ganze funktioniert so smooth, dass man als Nutzer sehr rasch entscheiden kann, wen man in die eigene Timeline aufnehmen oder aus ihr entfernen möchte. So rasch, dass… tja, zack, so mir nichts, dir nichts, ein wachsamer Twitter-Algorithmus den Account einfriert.
Erster Schritt war in diesem Fall natürlich die Eröffnung eines Support-Tickets. Vermeintlich schön: Das Ticket war nach ein paar Minuten als “solved” geschlossen. Weniger schön: Eine Lösung war damit nicht verbunden. Seitdem habe ich mehrere weitere Tickets eröffnet und meine Situation und Intention dargelegt. Lange Zeit ohne Resonanz. Mein nächster Schritt war daher intensives Networking vor allem über Facebook, das dazu führte, dass – wie erwähnt – viele von Euch Support-Tickets in meinem Sinne eröffnet und ein gutes Wort für mich eingelegt hatten. Vor dem Hintergrund dieser Unterstützung gelang es mir inzwischen tatsächlich, die Aufmerksamkeit der verantwortlichen Mitarbeiterin bei Twitter auf die Angelegenheit zu lenken, und es sieht ganz so aus, als könnte der Account in den nächsten Tagen wieder freigeschaltet werden. Am morgigen Freitag erfahre ich voraussichtlich mehr – bis dahin und insbesondere im Laufe des morgigen Tages bin ich durchaus dankbar, sollte der eine oder andere noch Zeit finden, sich ebenfalls an Twitter zu wenden.

[Foto: photocase.de | time.]
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