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Ausgezwitschert!

“Ihr lebt in einer Parallellwelt”, schrieb mir mein guter Bekannter Ulf im Facebook-Chat, als ich ihm von dem aktuellen Problem mit meinem persönlichen Twitter-Account berichtete. Suspended, eingefroren – na und? Ulf kann’s nicht nachvollziehen, dass es für mich einer digitalen Nahtoderfahrung gleichkommt, im Moment nicht unter persönlicher Flagge, sondern nur über diverse von mir betreute Accounts “corporate” twittern zu können. Wer sich die Mühe macht, diese Zeilen zu lesen, der gehört jedoch vermutlich zur gleichen Gruppe wie ich, nämlich zu jenen Menschen, für die der persönliche Account inzwischen so etwas wie Blog, Visitenkarte, E-Mail-Ersatz, Schwarmintelligenz- und Recherchetool in einem ist. Ein zentrales Element im sozialen Netz eben.

Susp in Ausgezwitschert!

So sieht das dann aus: #suspended

Nun melde ich mich heute nur in zweiter Linie zu Wort, um über meine persönlichen Befindlichkeiten in dieser Situation zu schreiben. In erster Linie möchte ich, nicht zuletzt aufgrund mehrerer Nachfragen, mal aufklären, was Sache ist und wie es weitergeht – und mich ganz herzlich bei all den Leuten bedanken, die mich direkt und indirekt unterstützt haben und unterstützen. Viele von Euch, ich schätze mindestens zehn, haben Tickets bei Twitter eröffnet. Dafür ganz herzlichen Dank – wer ebenfalls unterstützen möchte, findet hier das entsprechende Formular.

Was ist überhaupt passiert?

Ganz einfach: Freitagnachmittag hatte es sich für mich ausgezwitschert. Ein Twitter-Algorithmus legte meinen Account auf Eis, nachdem ich mit einem webbasierten Tool viele (wirklich viele) Leute aus meiner Timeline gestrichen hatte, denen ich nicht mehr weiter folgen wollte. Meine Kriterien sind dabei eigentlich immer die gleichen, hier die wichtigsten:

  • ein Twitter-Nutzer, dem ich folge, folgt mir (nach längerer Zeit) nicht zurück (kann ein Kriterium sein – muss nicht!)
  • jemand hat in den letzten Wochen nichts oder nichts für mich Relevantes getwittert (ist auf jeden Fall ein Kriterium – außer bei ‘echten’/'Offline’-Freunden)
  • jemand gehört zu den Nutzern, die sich am Wettbewerb “Wer twittert am meisten” mit Tausenden Updates täglich beteiligen

Die meisten Twitter-Nutzer werden ähnliche Kriterien bewusst oder unbewusst anwenden – so eben auch ich. Nichts Besonderes. Alltag. Eine Berufskrankheit ist es in meinem Falle jedoch, stets Ausschau nach geeigneten Tools zu halten, die das Twittern noch effizienter machen – wobei ich mit “Twittern” sowohl das Lesen und Schreiben von Tweets meine als auch das Netzwerk-Management. Webbasierte Tools wie ‘refollow’ machen es beispielsweise extrem leicht, die oben skizzierten Kriterien anzuwenden, die eigene Timeline zu bereinigen – und ebenso beispielsweise die Follower-Listen von Kollegen, Freunden, Wettbewerbern oder wem auch immer übersichtlich angezeigt zu erhalten und auf einen Schlag zahlreichen Twitter-Nutzern zu folgen. Refollow zeigt 100 Nutzer auf einer Seite an und lässt anhand schlichter Kriterien sortieren, ein- und ausschließen, folgen und entfolgen. Das Ganze funktioniert so smooth, dass man als Nutzer sehr rasch entscheiden kann, wen man in die eigene Timeline aufnehmen oder aus ihr entfernen möchte. So rasch, dass… tja, zack, so mir nichts, dir nichts, ein wachsamer Twitter-Algorithmus den Account einfriert.

Was ist seitdem passiert?

Erster Schritt war in diesem Fall natürlich die Eröffnung eines Support-Tickets. Vermeintlich schön: Das Ticket war nach ein paar Minuten als “solved” geschlossen. Weniger schön: Eine Lösung war damit nicht verbunden. Seitdem habe ich mehrere weitere Tickets eröffnet und meine Situation und Intention dargelegt. Lange Zeit ohne Resonanz. Mein nächster Schritt war daher intensives Networking vor allem über Facebook, das dazu führte, dass – wie erwähnt – viele von Euch Support-Tickets in meinem Sinne eröffnet und ein gutes Wort für mich eingelegt hatten. Vor dem Hintergrund dieser Unterstützung gelang es mir inzwischen tatsächlich, die Aufmerksamkeit der verantwortlichen Mitarbeiterin bei Twitter auf die Angelegenheit zu lenken, und es sieht ganz so aus, als könnte der Account in den nächsten Tagen wieder freigeschaltet werden. Am morgigen Freitag erfahre ich voraussichtlich mehr – bis dahin und insbesondere im Laufe des morgigen Tages bin ich durchaus dankbar, sollte der eine oder andere noch Zeit finden, sich ebenfalls an Twitter zu wenden.

Disconnected User Time Photocasep7d6d8k71 in Ausgezwitschert!

Was ist das Fazit aus meiner Sicht?

  • Ich bin recht zuversichtlich, dass der Account in den nächsten Tagen “zurückkommt”
  • Ich bin wirklich unglaublich dankbar für die große Unterstützung, die ich von vielen von Euch erfahre
  • Es ist schon wahnsinnig, wie sehr sich viele von uns Social-Web-Workern auf einzelne Dienste wie Twitter, Google Mail etc. verlassen. Klar ist das wohl jedem von uns – aber viel zu wenig bewusst.
  • Schlimm genug beim persönlichen Kommunikationsbedarf – eigentlich halsbrecherisch, wenn es um Corporate- Accounts geht
  • Merke: Hänge nie das Wohl oder Übel eines wichtigen Projekts einzig und allein an der Wichtigkeit eines bestimmten Twitter-Accounts auf.

[Foto: photocase.de | time.]

Tt-twitter in Ausgezwitschert! Tweet This Post

Discussion

View Comments for “Ausgezwitschert!”

  • Vielen Dank ihnen allen,

    dasselbe war uns passiert - sofort eine Email ( was sonst ? ) an Twitter mit "WHY"

    Innerhalb der nächsten halben Stunde wieder aktiv...unser Account von ellepet

    Nachricht von Twitter mit der Begründung, verdacht wegen Spam und eine Entschuldigung.

    Wir hoffen, das Twitter damit klarkommt - ebenso mit den ganzen Followern, die wir in nächster

    Zeit gewinnen....und das sind nicht gerade wenige...

    Viele Grüße,

    ellepet
    www.twitter.com/ellepet
  • Ich hatte es kaum zu hoffen gewagt: Nachdem ich heute nochmals in Kontakt mit Twitter war - eine Woche nach Einsetzen des Suspend - hat der Support tatsächlich prompt reagiert und den Account wieder freigegeben. Dem vorausgegangen war ein Schock am Morgen: Etwas unentspannt am Pariser Gare de l'Est auf einer Bank sitzend hatte ich - wieder einmal - meinen Account gecheckt und festgestellt, dass ich noch einer Person folge und noch vier Follower hatte. Sollte mit dem Suspend also der Verlust des gesamten Netzwerks einhergehen? Kurz sah es so aus - heute Abend jedoch Entwarnung: "The other one was due to status.twitter.com", ließ man mich in einer E-Mail wissen. Es hatte sich um eine temporäre Erscheinung aufgrund der Follower-Bereinigung gehandelt, die heute wohl lief.

    Ich in jetzt erst einmal extrem froh über den Ausgang, möchte mich ganz herzlich bei allen bedanken, die dazu beigetragen haben.

    Technischer Hinweis: Im Moment scheint es so auszusehen, dass ich bei aktuellen Followern als "neuer Follower" auftauche und per E-Mail darauf hingewiesen wird; dies ist aber offensichtlich einzig der Aufhebung des Suspends zuzuschreiben. Meine eigene Mailbox wird im Moment ebenfalls geflutet, und zwar von Auto-DMs.

    Erleichterte Grüße (aus dem ICE übrigens)
  • Request #450619 "Dear Creators of Awesome Tw..." created:

    "Dear Creators of Awesome Twitter,

    unfortunately you suspended @jodeleits account. The only thing this premium twitterer did was to bulk-unfollow a lot of people at the same time. You might call that spring cleaning. If you take a close look at his account, you will see that he is a very valuable node in the twitter community. So I politely ask you to un-suspend @jodeleit's account as soon as possible.

    Thanking you in advance
    Jürgen Messing"
  • Ich kann ja nachvollziehen, wenn massives Followen als "strange activity" gewertet wird - aber ENT-followen?? Was soll denn daran komisch sein?
  • Hab' Sie schon in der Twitter-Timeline vermisst, @jodeleit. Blogeintrag famos - soeben Link getwittert :-)
  • Aus einem anderen Grund wurde mein Account vor einigen Wochen ebenfalls gesperrt. Ohne Nennung eines Grundes und ohne befriedigende Reaktionen auf unzähle Support-Anfragen mit mehreren Tickets. Eine letzte in verzweifelter Tonalität verfasste Bettel-Mail erweichte dann nach Wochen tatsächlich einen der Support-Mitarbeiter dazu, den Account wieder freizuschalten und erstmals mitzuteilen, warum er überhaupt gesperrt wurde.
    Nichts, was nicht anders hätte gelöst werden können. Aber Dialog ist für die ein Fremdwort. Erst schießen und auch hinterher nicht fragen.

    Erstaunlich, dass ausgerechnet das Unternehmen, über dessen Service sich der Social-Media affine Teil der deutschen PR-Branche über Service-Mängel und Social Media Best Practices austauscht, an dieser Stelle so versagt.
  • Gerade in dieser Zeit finde ich es sehr besonnen und spannend, dass du nicht reflexartig Twitter die Schuld gibst, nicht mal über einen Nebensatz hinaus dich über langsame Bearbeitung explizit beschwerst.
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Bernhard Jodeleit

arbeitet als PR-Berater mit Schwerpunkt auf ITK- und andere High-Tech-Themen sowie Social Media bei der Sympra GmbH (GPRA) in Stuttgart.

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