Notizen von Bernhard Jodeleit

Casual Web 2.0: Nutzwert statt Smalltalk

Computer sind Zeitfresser. Das Social Web mit Twitter, Facebook, Xing und weiteren sozialen Netzwerken erst recht. In jüngster Zeit stelle ich fest, dass sich mein persönliches Nutzungsverhalten verändert. Ich beobachte eine Entwicklung weg von der aktiven Nutzung aus Freude am Experimentieren und am Dialog hin zu einer am persönlichen Nutzen orientierten Herangehensweise.

Ich reduziere mein Zeitbudget bei

_ Twitter. Nervt total. Das Sortieren von Followings und Followern kostet unglaublich viel Zeit. Meine Timeline ist längst nicht mehr Informationsquelle Nr. 1, zuviel zweitverwerteter oder nutzloser Content verstopft sie. Ich versuche, meine eigene Twitter-Präsenz für andere nützlich zu halten, indem ich Links zu meines Erachtens wirklich interessanten Artikeln poste.

_ Facebook. Zeitfresser Nummer eins. Nachdem das Netzwerk dort nicht mehr in so großer Geschwindigkeit wächst wie zu Beginn, werden redundante Muster in den “Hauptmeldungen” und “neuesten Meldungen” deutlich. Das Personal Branding oder lässige Einwerfen von Belanglosigkeiten langweilt.

_ Xing. Ist ein reines Adressbuch geworden. Dafür gut, für mehr aber nicht.

_ LinkedIn. Xing in negativ gesteigerter Form.

_ Foursquare, Gowalla, Brightkite. Nachdem ich eine geschäftliche Mayorshop Battle am fischerAppelt-Standort Stuttgart wohl verloren habe, ist der Reiz endgültig übersichtlich geworden. Was bringt mir die Eincheckerei?

_ Friendfeed. Account gelöscht.

Dagegen erhöht sich mein Zeitbudget bei

_ Google Reader. Schnell und mit größtem Informationswert versorgt mich der Feedreader mit allem, was wichtig ist.

_ Google Latitude. Braucht keine Zeit. Ich finde es faszinierend, meinen Standort permanent zu protokollieren. Im Moment reiner Spieltrieb, aber ich bin mir sicher: Es wird etwas Großes daraus.

_ Google-Dienste im Allgemeinen: Das Innovationsfeuerwerk der führenden Suchmaschine ist eine reine Freude: Die neue Suche Google Instant, die Ergebnisse schon während des Tippens von Suchbegriffen anzeigt, finde ich ebenso cool wie Google Scribe, das beim Schreiben von Texten bereits vorwegnimmt, worauf man hinauswill.

_ Grooveshark: Jeder denkbare Song, den ich spontan hören möchte, ist auf allen Rechnern, die ich benutze, und auf dem iPhone überall verfügbar, wo es Internet gibt. Goodbye, Napster, rest in peace, iTunes.

_ iPhone Apps

Letztere sind ein Thema für sich, auf das an dieser Stelle demnächst in einem weiteren Posting eingehen möchte. Denn an den mobilen Anwendungen zeigt sich ganz besonders deutlich, wie sich die Spreu vom Weizen unterscheidet. Ich bin überzeugt davon: Im Mobile Web werden nicht die Marken gewinnen, die am lautesten klappern, sondern diejenigen, die Menschen den größten Nutzen bringen.

Casual Web 2.0, sinnvolle Anwendungen, Semantik im Sinne des Nutzers – so sieht meines Erachtens das soziale Web der Zukunft aus. Weniger private Selbstdarstellung. Mehr Nutzwert und Komfort-, Zeit- und Erkenntnisgewinn. So vielleicht.

  • http://www.nitasha.de Nitasha de Vries

    Twitter nervt…nerven vielleicht nicht unbedingt aber für mich persönlich ist es zu öffentlich geworden. Wenn mich schon einige Leute als ihre Daily Soap sehen dann möchte ich selber bestimmen WER mein Leben verfolgen darf…und das geht ganz gut auf Facebook! Fazit: nach 1 1/2 Jahren intensiver Nutzung Twitteraccount gelöscht…

    Bei Xing & Linked-In bin ich ganz deiner Meinung –> Adressbuch

    Foursquare und Gowalla…jemand hat mir meinen Mayorstatus wegenommen?! so what! ;-)
    –> Vor paar Monaten sah das noch ganz anderst aus!

    Alles in Allem hast du es auf den Punkt gebracht! Du sprichst mir aus dem Herzen! :-)

  • Pingback: Zeit ist das knappe Gut – auch im Social Web | David Philippe – Social Media, PR und mehr.

  • Martin

    Kann mich nur anschließen – bis auf dass ich Twitter noch etwas nutze und die Begeisterung für Google-Anwendungen nicht recht teilen kann, stelle ich bei mir ähnliche Tendenzen fest, vor allem wenn der Stresspegel steigt. Back to the Roots. Dumm nur, dass sich im guten alten RSS-Reader jetzt über 40.000-Artikel angesammelt haben ;)

  • http://twitter.com/docgoy Dr. Reinhard Goy

    Moin!
    OK, ich bin bekennender Twitter-Fan und deswegen vielleicht nicht ganz objektiv ;-)
    Doch einen Tipp muss ich hier einfach loswerden.
    Seit vielen Monaten gibt es die Twitter-Listen. Genau die sind dazu da, eine gewisse Ordnung / Priorität in den Stream zu bringen. Kaum einer kann wirklich mehr als vielleicht maximal 100 Followern “zuhören”. Also macht eine Liste auf mit euren wichtigsten Contentlieferanten und lest nur noch den Feed dieser Liste.
    Liebe Grüße und trotz allem viel Spaß bei Twitter
    DocGoy

    PS: Ach ja, zum Managen der Following / Follower gibt es geniale Tools

  • http://twitter.com/aboutSAZone SAZone

    Moin,

    zunächst mal: interessanter Ansatz – den ich bei dir so gar nicht vermutet hätte! ;-) Grundsätzlich bin ich im Moment (nach einer Nachtschicht mit Facebook Settings anpassen, Twitter Listen bereinigen und Feedreader aufräumen), auch erstmal geneigt dir auf ganzer Linie beizupflichten…

    Aber: Der (Mehr-)Wert von Twitter, Facebook und Co. liegt für mich eigentlich gar nicht (mehr) darin, dass ich proaktiv Infos finde die mich interessieren – dafür hab ich einen (jetzt wieder aufgeräumten) Feedreader. Der Zusatznutzen liegt, zumindest für mich darin, dass Informationen quasi “mich finden”. Heißt: Durch meine Twitter oder Facebook Timeline stoße ich immer wieder auf Themen, Storys und jede Menge Absurdes das niemals in meinem Reader auftauchen würden. Gerade deswegen sind Hints von Freunden und Followern mittlerweile eine zentrale Inspirationsquelle für mich!

    Ist halt ein bisschen wie bei der guten alten Tageszeitung: Man kauft sie wegen dem Sportteil, ließt dann aber auch den Feuilleton und findet dabei spannende Inhalte von denen man vorher gar nicht wusste, dass sie einen interessieren. Für eben diesen einen cleveren Kommentar, die eine wertvolle Rezension oder das eine inspirierende Foto nehme ich dann auch gerne das Screenen der gesamten Zeitung in Kauf.

    Schönen Sonntag noch!
    Und Gruß aus FFM.

  • http://blog.andreas-spiegler.de/ Andi

    Ich kann nur voll und ganz zustimmen. Twitter und Facebook fressen einfach nur Zeit. Nutze letzteres gerade noch zum Austausch mit alten Bekannten, aber mehr auch nicht. Und Twitter ist nur eine Sammlung an interessanten Links, die ich anderen zur Verfügung stellen will.

    In Zukunft wird also doch Google den Markt der Informationen weiter beherrschen :)

  • http://twitter.com/mons7 Monika E. König

    Twitter nervt? ne. Twitter rocks! ;) … aber vielleicht nutze ich Twitter ja auch nicht richtig ernsthaft:
    - lese nur mit, wenn ich schreibe (punktuell)
    - kümmere mich nicht um meine Follower
    - folge jemandem spontan oder auch nicht mehr, wie mir's gerade einfällt

    … ja, vielleicht seh ich die Sache einfach zu locker? ;)

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