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Public Relations

Google Wave und das Erwartungsmanagement

Photocase Leicagirl See in Google Wave und das Erwartungsmanagement

Still ruht der See - oder doch nicht? (Foto: photocase.com | leicagirl)

Wer twittert, der hört bekanntlich das Gras wachsen. Was ich in den vergangenen Tagen wachsen höre: die Enttäuschung über und teilweise sogar Ablehnung von Google Wave in der deutschen Twittersphere. Wer Zugang zu dem neuen Echtzeit-Kommunikationstool (“E-Mail-Killer”) wollte, musste in den vergangenen Wochen auf Einladungen durch andere Nutzer hoffen, die Google seinerseits für einen variablen Zeitraum – den nur Google kannte – zurückhielt. In den vergangenen Tagen hat nun das Angebot verfügbarer Einladungen in Early-Adopter-Kreisen die Nachfrage überschritten.

Aus meiner Sicht hat die Innovationskommunikation von Google bei Wave das Gegenteil von den (hoffentlich) gesteckten Zielen erreicht. Falls die Absicht war, das Thema Realtime-Kommunikation über affine Multiplikatoren im Social Web nach vorne zu bringen, hat die Vermarktung von Wave über exklusive Betatest-Einladungen diesem Ziel einen Bärendienst erwiesen. Denn durch das rigide Einladungsmanagement wurden die Erwartungen in astronomische Höhen geschraubt. Google hat an dieser Stelle mit dem Neid- und Prestigefaktor der Exklusivität gespielt. Wer eine Wave-Einladung zu vergeben hatte, der gehörte in den ersten Tagen von Wave zur digitalen Avantgarde. Interessant zu beobachen, dass in diesen ersten Tagen öffentliche Kritik an Wave noch sehr verhalten war – man gehörte als Tester ja zu einem exklusiven Club. Diese wird erst jetzt lauter: Die Exklusivität ist dahin, die Kinderkrankheiten von Wave sind selbstverständlich immer noch vorhanden, die Produktenttäuschung ist groß.

Ihre Gründe kann diese Enttäuschung nur teilweise darin haben, dass Bedienbarkeit und Geschwindigkeit von Wave noch nicht optimal sind. Ein weiterer, wohl wichtigerer Grund: Wave ist ein zunächst in sich geschlossenes System, das im Moment – aufgrund seiner Realtime-Funktionalität logischerweise – nur mithilfe spezieller Anwendungen nach außen kommunizieren kann. Daher kam bei den Testern nie das Gefühl auf, via Wave eine kritische Masse Gleichgesinnter zu erreichen und mit diesen kommunizieren zu können. Die Folge ist Frust: Ich bin drin – und jetzt? Ja, man könnte die eigenen Kollegen fragen, aber haben die Zeit – und Lust? Gibt es nichts Wichtigeres zu tun, als ein neuartiges Kommunikationssystem zu testen, das nur eingeschränkt nach außen kommunizieren kann? Bei einigen angesprochenen  Kollegen, etwa bei @veit64, hielt sich die Begeisterung über meinen Vorschlag, gemeinsam Wave zu testen, zunächst in Grenzen.

Ob aus Wave noch eine große Sache wird und wie es um die technische Güte der Plattform bestellt ist, kann ich nicht beurteilen, das möchte ich klarstellen. Besser einschätzen zu können glaube ich den kommunikativen Aspekt. Und da stelle ich die These auf: Meines Erachtens war die Produkteinführung eine kommunikative Fehlleistung.

Wavescreen-300x188 in Google Wave und das Erwartungsmanagement

Google Wave - und jetzt?

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Discussion

View Comments for “Google Wave und das Erwartungsmanagement”

  • Ich habe für mich noch keinen Nutzen finden können...
  • Mir ging es auch so. Ich habe zwar selbst einen Zugang für Wave "bestellt", ihn aber noch nicht bekommen. Allerdings hatte @fettlaus_de eine für mich übrig. Dann war ich drinnen, habe ein wenig herum gespielt – mit mir ganz allein. Ich kann daher nicht einmal ein Urteil über die Plattform fällen, ich habe sie noch überhaupt nicht ausprobiert.
    Ich werde warten, bis Wave offen ist, und dann weiter sehen. Gespannt bin ich nämlich immer noch.
  • wittkewitz
    Ich habe auch ein paar Tage gebraucht, um das System und vor allem den Einsatz der sehr umfangreichen Funktionen der Suchmaschine kennen zu lernen. Ich habe danach einige sehr gute Erfahrungen gemacht. @tspe lud mich ein, mit im und Bekannten einen Artikel per Wave zu schreiben. Ich muss zugeben, dass ich lieber ein aufgemotztes etherpad hätte und deren Idee noch immer für das Beste im gesamten Enterprise 2.0 Universum halte (was ja Wave zum teil auch kopiert mit seiner zeitleiste), aber auch Wave hat seinen Charme. Vor allem die Spiele wie Schach oder gemeinsames Spielen von Sudoku macht Spaß. Wenn man einen eigenen Wave Server aufsetzt und einige gadgets und robots auf einer negativliste für bestimmte Waves ausschließt und dann noch beachtet für neulinge erklärende Waves vorzubereiten und für Projekte einen vorgegebene Struktur anzulegen, dann klappt es ganz gut. Vielleicht hatte die rigide Einladungspolitik von Google ja genau den Grund, dass nur Leute ransollten, die Erfahrung mit Software haben und eine gewisse Lernkurve von Tagen oder Stunden bei Hardcorenutzern als normal betrachten.
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Bernhard Jodeleit

arbeitet als PR-Berater mit Schwerpunkt auf ITK- und andere High-Tech-Themen sowie Social Media bei der Sympra GmbH (GPRA) in Stuttgart.

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