Die CeBIT 2009 – noch läuft sie, doch für mich war sie schon am ersten Tag wieder vorbei. Lediglich einen Tag habe ich mir in diesem Jahr Zeit genommen, um Hannovers Hallen zu erkunden – und dennoch wird mir die diesjährige Messe sicherlich nachhaltiger in Erinnerung bleiben als die vielen CeBITs in den Jahren zuvor. Zum einen aufgrund der dramatisch zurückgegangenen Ausstellerzahlen: Die goldenen Zeiten sind vorbei, was, wie Kollege Martin Kurth heute Früh feststellte, vielleicht gar nicht so schlimm ist. Während ich diese Zeilen schreibe entdecke ich auch den hervorragenden Rückblick von Thomas Knüwer auf die Geschichte der CeBIT – lesenswert und sehr treffsicher beschrieben. Für mich fühlt sich das Ganze zunächst auch so an: Schade ist’s um die CeBIT, es kommt schon etwas Nostalgie auf. Denn von der ehemals glamourösen Halle 26, früher stets mein persönlicher Ausgangspunkt vom Stand des eigenen Unternehmen aus, ist nicht mehr viel übriggeblieben. Die unbescheidenen Spezialpavillons der Mobilfunker im Freigelände sind endgültig weg. Der Glanz verpufft. Der Mythos CeBIT für die TK-Welt – endgültig entschwunden, mit einem Oneway-Ticket nach Barcelona geflogen.
Gut ist, dass die Messe sich an ihrer Verjüngung versucht – mit der “Webciety”. Was das ist?
“…eine Wortschöpfung aus den Begriffen web und society. Hinter dem neuen Wort steht die derzeit wichtigste technische Entwicklung: wie keine Technologie zuvor greift das Internet in alle Lebensbereiche ein, verändert die Spielregeln und verschiebt das Gefüge der Kräfte. Wirtschaft ist heute ohne das Netz ebenso wenig denkbar wie Bildung, Infrastruktur oder Administration. Die Netzgesellschaft ist fast 20 Jahre nach den ersten grundlegenden Gedanken zum World Wide Web Realität. Und es steht jetzt vor einer weiteren Entwicklungsstufe.”
Dank Webciety in Halle 6 treffen auf der Messe zwar unterschiedliche Generationen und Unternehmenskulturen aufeinander. Doch man fremdelt ein wenig. Anzug- und Turnschuhträger, Social-Media-Revoluzzer und bierernste Fachbesucher, so richtig passt das nicht zusammen. Hinzu kommt, dass große Internetmarken nicht so recht wissen, was sie auf einer Messe wie der CeBIT überhaupt verloren haben – und diese kritische Haltung teilen sie zunehmend mit großen Mobilfunkmarken wie Nokia.
Die Lage der Messe passt also hervorragend zur Lage der Wirtschaft. Beide haben im Moment die seltene Chance, sich neu zu positionieren. Meines Erachtens ist der Ansatz der CeBIT, mit der Webciety die Gestalter der Internet-Zukunft nach Hannover zu holen, goldrichtig. Wie Sachar Kriwoj hoffe ich, dass das Zusammentreffen zwischen Altherrenclub und Digital Natives neue, kreative Impulse für die Messe bringt. Erste Ansätze konnte ich in Hannover schon erkennen, auch wenn sie zaghafter Natur waren. Meine Prognose: Sobald die Webciety das Ausmaß einer ganzen Halle angenommen haben wird, ist die CeBIT wieder gesund. Gute Besserung!
Foto zum Thema auf der Startseite (C) Deutsche Messe AG, es zeigt die Walking Press Concerence zur Webciety mit Sascha Lobo
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