Notizen von Bernhard Jodeleit

Gute Viren, schlechte Viren

Dass Virenautoren Daten auf den Rechnern ihrer Opfer verschlüsseln, damit unbrauchbar machen und für die Freischaltung Lösegeld erpressen, ist bekannt und wurde unter anderem bei meinem neulichen Besuch bei F-Secure nochmals deutlich. Neu ist dagegen, dass Malware-Hersteller behaupten, ihr Handeln sei legitim. Man stelle sich vor: Der eigene PC wird von einem Virus lahmgelegt, und dahinter steckt eine Firma, die zu allem Überfluss noch frech auf ein tatsächlich abgeschlossenes Online-Abonnement verweist und ausführt, sie sei mit ihrer “Strafaktion” durch einen Computervirus im Recht.

Einem Bericht bei Risks Digest nach nach haben sich bereits 200 Briten bei der zuständigen Aufsichtsbehörde beschwert, weil ihre PCs Gegenstand gezielter Angriffe waren. Besucher einschlägiger Sites, die ein dreitägiges “Test-Angebot” in Anspruch nahmen, erklärten sich im vermutlich teils nicht gelesenen, teils nicht verstandenen Kleingedruckten mit Sanktionen einverstanden, die im äußersten Falle die Unbrauchbarkeit des eigenen PCs beinhalten sollten. Diese, so der Text der Vereinbarung, würden in Kraft treten, falls der Nutzer nicht innerhalb von drei Tagen kündigt, sein Abonnemant damit durch Unterlassen des Widerrufs endgültig abschließt und sich anschließend dennoch weigert, die sodann fällige Gebühr von 39,99 Britischen Pfund für ein dreimonatiges Abonnement zu bezahlen.

Ergebnis: Der Kunde zahlt nicht, und tatsächlich, Popup-Fenster, die eine Begleichung des ausstehenden Betrages verlangen, erscheinen mit nach und nach zunehmender Dauer auf dem PC-Bildschirm und lassen sich weder schließen, verschieben noch in den Hintergrund verschieben. Die digitale Form des Geldeintreibens mit unlauteren Mitteln.