Die Auswahl an Zeitschriften am deutschen Kiosk ist nahezu endlos. Von A wie “Abenteuer und Reisen” bis Z wie “Zuhause Wohnen”: Kaum ein Thema, zu dem es keine Publikation gibt. Das werde auch so bleiben, meinen die Optimisten, denn bei allem Einfluss des Internet sei ein gut gemachtes Printprodukt eben ein gutes Printprodukt mit einem hohen Maß an Glaubwürdigkeit, Wertigkeit und Leserbindung. Nicht zuletzt wird oft angeführt: “Wer will denn schon am Bildschirm lesen?” was selbst ich trotz fortgeschrittenen Alters nicht mehr als berechtigten Einwand gelten lassen kann.
Doch Konkurrenz aus dem Internet könnte den Zeitungen und Zeitschriften sehr bald auch auf dem Papier drohen: Google wurde am 8.11. ein Patent zugeteilt: “Customization of Content and Advertisements in Publications”. Hinter dem Patent dürfte der Plan stecken, dass Nutzer künftig ihre persönlichen Print-Publikationen nicht nur per E-Mail, RSS oder Web erhalten. Sondern auch per Post, Zeitungszusteller, oder einfach, indem sie die maßgeschneiderte Publikation selbst ausdrucken. Nicht unbedingt zu Hause am eigenen Drucker, sondern gerne auch am “Google Kiosk” am nächsten Straßeneck, im Einkaufszentrum, an der U-Bahn-Haltestelle. Mit Content, der zu ihrem persönlichen Profil passt. Und Anzeigen, die das auch tun. Einfach einen RFID-Chip oder einen Barcode dem vollautomatischen Kiosksystem präsentieren – und voilà, bitteschön, Ihr persönliches “Google Magazine” für heute fällt aus dem Ausgabeschacht. Nicht innovativ? Meines Erachtens durchaus – und in den Auswirkungen nicht zu unterschätzen.
Aber Gemach: Bevor wir die Fantasie weiter spielen lassen und vom werbefinanzierten U-Bahn-Ticket träumen – kommen wir zurück zu dem erteilten Patent. In dem Patentantrag spricht Google an, welche neuen Impulse der Markt hierdurch erhalten könnte. Heute sei es in vielen Fällen Problem der Verleger, dass sie zu wenig über ihre Zielgruppen wüssten und daher Umsätze ausblieben. Zudem gebe es keine einheitlichen Anzeigenformate wie im Web üblich. In der Folge würden Anzeigenkunden in manchen Fällen “suboptimalen oder wertlosen” Anzeigenplatz kaufen und vergeblich versuchen, ihre Zielmärkte zu erreichen. All dies möchte Google zum Guten wenden und hat daher ein Verfahren patentiert, das es erlaubt, Content und passende Anzeigen aufgrund der Interessen
eines individuellen Nutzers automatisczusammenzustellen. Auf Basis des Google dank der Daten aus zahlreichen Web-Applikationen bestens bekannten Userverhaltens sowie weiterer Daten wie Wohnort und Aufenthaltsort, die über den Nutzer vorliegen, präsentiert die Suchmaschine passenden Content. Der Nutzer wählt dann aus, welche redaktionellen Beiträge er erhalten möchte – oder entscheidet sich einfach für den vorgeschlagenen Content. Der – gegebenenfalls – zu zahlende Preis für die von Google generierte Publikation, das (noch fiktive) “Google-Magazin”, hängt davon ab, wieviel Werbung der Kunde mit ausdrucken lässt.
Besten Dank an David Harry für die freundliche Genehmigung zur Verwendung seiner informativen Abbildungen.

Pingback: printfuture » Google Magazine - Google personalisiert Publikationen
Pingback: Google Knol vs Wikipedia - Boardunity Forum