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“Meta Network mit Verbindung in die Wirklichkeit”

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Gabriel Yoran von aka-aki

Es ist soweit: aka-aki ist seit einigen Tagen auch für das iPhone erhältlich – und katapultierte sich innerhalb weniger Tage an die Spitze der Anwendungen in der AppStore-Kategorie Soziale Netzwerke. Die Server der Berliner waren jüngst immer wieder an der Kapazitätsgrenze – eine Aufstockung der Rechenleistung jagte die nächste. Da ich aka-aki seit der Gründung sehr interessiert beobachte und davon ausgehe, dass Mobile Social Networks und geobasierte Social Media Services vor einer großen Zukunft stehen habe ich dem für Produktentwicklung zuständigen Geschäftsführer Gabriel Yoran einige Fragen gestellt. Die Antworten lassen auf eine interessante Weiterentwicklung von aka-aki in den nächsten Monaten schließen: Die Gründer setzen auf offene Schnittstellen und streben eine Positionierung als “Meta Network auf dem Handy” an. Damit positioniert sich aka-aki meines Erachtens strategisch sehr klug an der in vielen Köpfen erst Schritt für Schritt deutlich wichtiger werdenden Schnittstelle zwischen Web 2.0 und geobasierten Anwendungen. Disclaimer: aka-aki gehört nicht zu meinen Kunden bzw. den Kunden von Sympra, das Interview basiert einzig auf meinem Interesse am Thema.

Bernhard: Der Launch der iPhone-Applikation hat aka-aki offensichtlich in kürzester Zeit zahlreiche neue Nutzer gebracht. Kannst Du das etwas genauer quantifizieren?

Gabriel: Grob gesagt: Wo vorher ein Server ausgereicht hat, sind es jetzt elf. Und die neuen Nutzer sind, weil sie praktisch alle einen Datentarif haben, viel aktiver als der Durchschnitt.

Ist der momentane Zuwachs aus Deiner Sicht ein Durchbruch?

Das wissen wir leider noch nicht. Bei uns spielen viele Dinge zusammen. Die iPhone-Nutzer hätten jetzt nicht so viel Spaß, wenn wir nicht letzten Herbst die Cell-ID-Unterstützung auch für Java-Handys eingebaut hätten. Das ist quasi die Brücke zwischen den beiden Welten Java und iPhone. Nur deswegen hatten die neuen iPhone-Mitglieder beim ersten Login bereits Leute im Umkreis. Dieser plattformunabhängige Ansatz ist ziemlich einzigartig bei aka-aki.

In welchen Regionen Deutschlands habt Ihr besonders stark zugelegt?

Für uns stellt sich eher die Frage, wo in der Welt wir stark zugelegt haben. Und das sind wenig überraschend die USA. Hierzulande gibt es Zuwachs praktisch im gesamten Bundesgebiet. Berlin bleibt am stärksten, aber München und Hamburg holen auf. Das Ruhrgebiet ist bei uns auch traditionell stärker vertreten.

Denkt Ihr schon an eine Internationalisierung?

Ja, die ganze Zeit! Einen großen Teil der aka-aki-Mitglieder finden wir schon lange in Südostasien – dort haben unsere Mitglieder oft keinen eigenen Computer und das Handy ist ihr einziges Tor ins Internet.

Mit welchen weiteren Schritten werdet Ihr in nächster Zeit das Wachstum beschleunigen?

Dazu dürfen wir leider nichts sagen, aber es kommen noch einige Überraschungen dieses Jahr.

Eure Zielgruppe scheint ziemlich jung zu sein, ich komme mir bei Euch fast wie ein “Silver Surfer” vor.

Wir haben von Anfang an auf junge Nutzer gezielt und wie es scheint, entdecken mittlerweile genau die Leute aka-aki, für die wir es gebaut haben.

Ihr setzt auf Cell ID, GPS, WLAN und Bluetooth, um festzustellen, wo Eure Nutzer sich wann aufhalten. Wie spielt all das zusammen?

Das ist ein ziemlich kompliziertes System, das zu großen Teilen auch patentiert ist. Ganz einfach gesagt: wir nutzen immer die Technologie, die am jeweiligen Gerät verfügbar und für ein bestimmtes Feature die passenden Informationen liefert. Zum Beispiel Bluetooth, um andere Mitglieder in unmittelbarer Nähe anzuzeigen, Cell ID für andere Leute in Laufweite oder WLAN-Lokalisation für Geräte, die sonst nichts anderes können (z.B. der iPod touch). Die verschiedenen Informationen werden dann von unserem Backend verarbeitet. Wichtig ist nur, dass der User sich draum überhaupt keine Gedanken machen muss.

Beim iPhone gibt es hier deutliche Einschränkungen, etwa bei den nähebasierten Funktionen via Bluetooth. Bleibt das auf Dauer so? Passt sich aka-aki künftig generell den iPhone-Limits an?

Wie gesagt: Wir versuchen aka-aki zu einem Dienst zu entwickeln, bei dem es egal ist, welche Technologie gerade verfügbar ist. Denn darüber sollen sich unsere Nutzer keine Gedanken machen müssen. Wir bauen “Brücken” zwischen den unterschiedlichen Technologien. Wenn das iPhone demnächst mit einer offenen BT-Schnittstelle daherkommen sollte, dann macht das für uns die Sache nur einfacher. Es geht mit unserer Technologie aber auch ohne.

Ein großer Nachteil für Messaging- und Networking-Anwendungen auf dem iPhone ist meines Erachtens die fehlende Multitasking-Fähigkeit des Geräts. Ist das für Euch ein Problem?

Ja. Das ist natürlich doof. Aber man muss auch anerkennen, dass viele Limitationen beim iPhone Fehlfunktionen vorbeugen. Keine programme im Hintergund, um den Prozessor nicht zu überlasten, strenge Auflagen für App-Entwickler, um die Bedienbarkeit sicherzustellen und so weiter. Das alles trägt letztlich dazu bei, dass die Benutzer des iPhones nicht frustriert werden und das Gerät lieben, also es immer wieder gern zur Hand nehmen. Und dann eben auch aka-aki starten und mehr Zeit mit der Anwendung verbringen als an einem Smartphone, wo es schon mal 30 Sekunden dauert, bis sich eine Java-Anwendung überhaupt erst geöffnet und eine Internetverbindung hergestellt wurde. Die Sache hat also Vor- und Nachteile.

Welche Schnittstellen sind für Euch interessant, in welche Richtung könnte sich aka-aki mit anderen Social-Media-Anwendungen und Social Networks vernetzen?

Einem Facebook-Mitglied würde aka-aki auch gerne MySpace-Mitglieder in der Nähe anzeigen.

Eigentlich mit allen. Denn wir wären gern die Verlängerung anderer Social Networks in die Realität. Wir glauben grundsätzlich, dass die Zukunft von Social Networks in offenen Schnittstellen liegt und haben keine Angst, unser Network für die Mitglieder anderer zu öffnen. Gern könnten sich die Mitglieder eines sagen wir Networks für Kinoliebhaber mit aka-aki auf der Straße erkennen. Und die würden das sicher auch mögen. Und einem Facebook-Mitglied würde aka-aki auch gere MySpace-Mitglieder in der Nähe anzeigen. Als so eine Art Meta Network auf dem Handy, mit der Verbindung in die Wirklichkeit. Vielleicht ist das ja möglich im Mobilbereich, was im Internet bisher nicht möglich war. Dass auf dem Handy meine verschiedenen Mitgliedschaften in Social Applications zusammenkommen. Aber das ist noch ein langer Weg und die großen Player aus dem Netz haben noch nicht erkannt, dass davon alle profitieren könnten. Im Mobilbereich gibt es aber bereits Fortschritte. So hat aka-aki gemeinsam mit 12 weiteren mobile communities gerade die OSLO-Allianz (Open Sharing of Location-based Objects) gegründet mit dem Ziel, die einzelnen communities mit offenen Standards und Schnittstellen zu verbinden.

Google Latitude ist am Start, was bedeutet das für Euch?

Latitude bringt das Thema Location Based Social Networks einem breiteren Publikum nahe. Wenn wir allerdings Menschen auf Stadtplänen zu verorten für eine gute Umsetzung des Themas gehalten hätten, hätten wir es gemacht. Wir glauben, dass Latitude wie viele Google-Dienste zu einer Plattform für andere Anbieter wird – vielleicht auch für aka-aki.

Rechnet Ihr damit, dass die Großen wie Xing und Facebook demnächst auch mit geo- und nähebasierten Funktionen an den Start gehen?

Wir wundern uns seit Jahren darüber, dass sie es nicht längst getan haben. Nun muss eben ein kleiner Elch den ersten Schritt machen.

Auch kommerzielle Dating-Services könnten bald geobasierte Clients auf den Markt bringen. Die Zeit meines Erachtens bald gekommen. Was bedeutet das für Euch?

Das kann gut sein, dafür gibt es auch sicher Platz. Für aka-aki glauben wir aber nicht an eine Vermaktung als Dating-Dienst. Natürlich findet auch hier Dating statt. Aber wer will schon mit einem virtuellen Schild “Ich bin Single und auf der Suche” durch die Stadt laufen?Beim mobilen social networking gibt es ja diesen engen Realitätsbezug. Und in der Realität gibt es zwar auch Speed Dating Events und Single Parties, aber die meisten Paare finden sich dann doch eher in der Uni, auf ganz normalen Parties, beim Hund gassi führen oder im Supermarkt. In ganz normalen alltäglichen Kontexten also. Wenn ganz groß “Dating” drauf steht, dann entzaubert das das Kennenlernen doch nur.

Wie sichert Ihr die Finanzierung von aka-aki?

Wir sind durch unsere Investoren sehr gut ausgestattet und können uns den langen Atem leisten. Dennoch wird aka-aki noch dieses Jahr Geld verdienen und das nicht nur mit Werbung. Mehr verraten wir aber noch nicht.

Herzlichen Dank, dass Du spontan bereit warst, die Fragen zu beantworten!

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Bernhard Jodeleit

arbeitet als PR-Berater mit Schwerpunkt auf ITK- und andere High-Tech-Themen sowie Social Media bei der Sympra GmbH (GPRA) in Stuttgart.

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