Sehr lesenswert finde ich heute einen Beitrag von Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach in seinem persönlichen Blog “Haltungsturnen”. Er stellt dort die Frage, ob Sprecher persönlich bei Twitter präsent sein sollten, und seine Antwort ist, wie er ausführt, in der Regel “Nein” – mit Ausnahmen. Ja wie denn nun, könnte man sich fragen. Soll ich als Sprecher twittern oder nicht?
Meines Erachtens ist die Frage etwas weiter zu fassen, denn letztlich verbirgt sich dahinter der gesamte Strategiekomplex für Corporate Social Media. Ein ganz wesentlicher Faktor ist dabei die Frage, welche Rolle Personenmarken spielen sollen und dürfen.
Ich sehe hier Chancen, Risiken und Fakten:
1. Persönliche Twitter-Accounts sind leichter aufzubauen als Marken-Accounts. Ergebnis persönlicher Erfahrung mit schätzungsweise zehn Accounts, die ich insgesamt über die Jahre persönlich aufgebaut habe. Je nahbarer und sympathischer Profilbild und Bio, desto schneller wächst die Reichweite. Accounts mit Markenlogo wachsen – je nach Nähe zu Web- und Nerdthemen – langsamer, es sei denn, man befeuert sie gezielt.
2. Brand und Personal Brand sollten sich synergetisch ergänzen, nicht vermischt werden. Einer der am häufigsten begangenen Fehler ist meines Erachtens genau der, den Wolfgang im aktuellen Beispiel kritisiert: Ein Twitter-Account wird unter dem Namen einer Organisation oder eines Unternehmens ins Leben gerufen und dann um den bürgerlichen Namen und das Profilbild eines Sprechers ergänzt. Geht meines Erachtens gar nicht. Mit wem spreche ich denn? Hier gebe ich Wolfgang komplett recht.
3. Vielversprechend: ein Marken-Account als offizielle Präsenz, gern mit Auflösung der Sprecher (Kürzel in Tweets) und zudem persönliche “Beiboote”, mithin persönliche Accounts von Mitarbeitern – auch jener des Sprechers. Diese Accounts wandeln dann auf dem Grat zwischen dem Privaten und dem Professionellen. Nicht ganz einfach, aber das Salz in der Suppe, das Unternehmen und Organisationen menschlicher macht.
Sprecher können twittern oder auch nicht – ich denke, davon hängt der Erfolg einer Social-Media-Strategie nicht ab, auch wenn einige leuchtende Beispiele wie Stefan Keuchel ganz gut vormachen, wie es funktioniert. Fest steht: Sprecher sollten es nur tun dann, wenn sie Spaß daran haben und Lust, Personal Branding im Web zu betreiben. Sonst einfach delegieren.
