Als Arbeitnehmer muss man schon aufpassen, möchte man Social Media und Microblogging nutzen. Zahlreiche Beispiele in der Vergangenheit haben gezeigt, dass die eigene berufliche Zukunft schnell übersichtlich gemacht oder das Verhältnis zum Kunden schnell gestört ist, wenn man im Web 2.0 allzu unverblümt seinen Emotionen und Botschaften freien Lauf lässt.
Dass auch Arbeitgeber auf der Hut sein müssen, zeigt ein Vorgang heute Nachmittag. Ein Vorgang bei der Plattform myON-ID, die sich Personal Reputation Management auf die Fahnen geschrieben hat, wird wohl als kleines Lehrstück zum Thema Twitter, Blogs und Employer Branding in die Web-2.0-Chronologie eingehen. Verkündet die Plattform doch via Twitter, dass sie sich von einem ihrer exponiertesten Mitarbeiter trennt: “myON-ID beendet mit sofortiger Wirkung die Zusammenarbeit mit Sebastian K*****”, heißt es in einem Tweet. Negativ behaftete Personalmeldungen via Twitter, kann das sein? Entspricht das dem Stil moderner Arbeitgeber oder ist dies ein Faux Pas? Die Diskussion auf Twitter kommt in diesen Minuten in Gang, siehe Twitter Search.
Über den Tweet hinaus stellt Geschäftsführer Mario Grobholz ein Blogposting ins Web: “myON-ID beendet mit sofortiger Wirkung jegliche Zusammenarbeit mit Sebastian K*****. Christian S*** führt die Tätigkeiten im Bereich OpenWeb fort. Die myON-ID Geschäftsführung”, heißt es dort. Vollends aus dem Ruder läuft das Ganze dann in den Kommentaren: Denn als sich sowohl via Twitter als im Blog von myON-ID heftiger Widerstand aus der Web-2.0-Szene regt (”So geht es nicht”) veröffentlicht die Geschäftsführung noch weitergehende Ausführungen, unter anderem: “Wer etwas Erfahrung im Umgang mit Personalien und HR hat, der kann aus dieser Meldung sicherlich ableiten, dass es schwerwiegende Gründe geben muss die uns zu dieser Trennung veranlasst haben”, und in einem späteren Kommentar: “Der ‘Informations-/Mehrwert’ dieser Meldung ist, dass Sebastian K***** nicht mehr im Auftrag von myON-ID im Markt agiert. Falls er mal wieder wo auftaucht.”
Das Pikante daran: myON-ID ist, man rufe sich in Erinnerung, eine Plattform, die sich dem Personal Reputation Management verschrieben hat. Entsprechend skurril wirkt eine solche Diskussion auf deren Blog – allein schon aufgrund der Optik, denn direkt rechts neben den zitierten Beiträgen prangt die Tagcloud mit Begriffen wie “Online-Reputation”.
Parallel regt sich Widerstand bei Facebook: Dort werden Blogkommentare veröffentlicht, die myON-ID auf der eigenen Site nicht freigeschaltet hat. Und beispielsweise Mike Schnoor von Sevenload findet deutliche Worte.
Just in den Minuten, in denen dieses Posting fertiggesellt wird, gewinnt die Diskussion auf Twitter deutlich an Schärfe: “Digg it! Ex-Mitarbeiter anprangern als “Mehrwert” beim Reputationsmanager myON-ID“, heißt es dort. Zu befürchten, dass diese Form von HR-Kommunikation über Social Media nach hinten losgeht.
“I removed my profile from MyON-ID. An ORM service that damages the reputation of their own ex-employees in my eyes just isn’t credible”, dies war vor sieben Minuten (Stand: 17:39 Uhr) der Höhepunkt eines Paradebeispiels für Reputation Mismanagement via Social Web.
[Foto: jottkah | photocase.com]
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