10 Mio. USD Umsatz pro Jahr hat die New York Times mit Paid Content gemacht. Dennoch lässt sie das Angebot sterben: Morgen schließt der Premium-Dienst TimesSelect seine Tore. Man werde die dort bislang verkauften Inhalte künftig kostenlos anbieten, erklärt die Chefin der Times-Website, Vivian Schiller, in einer Reuters-Meldung (weitere interessante Hintergründe). Klar, dass der Kunde sich freut.
Die Kehrseite: Strategien wie Suchmaschinen-Optimierung werden im Journalismus weit wichtiger. Demnächst werden sie auch die Journalisten betreffen, die sich im Moment noch im Elfenbeinturm Print wähnen. Im schlimmstem Fall diktiert dann Suchmaschinenoptimierung den redaktionellen Themenplan. Denn eine Maxime, die im TV-Journalismus seit Einführung des Privatfernsehens schon immer gegeben war, wird auch im bisher als Printjournalismus bezeichneten Metier ihren Siegeszug antreten: Das Publikum zahlt nicht, sondern der Werbekunde, die Quote bestimmt daher, wo’s langgeht. Und zwar nicht nur bezüglich der strategischen Ausrichtung eines Mediums, sondern für jeden einzelnen Artikel. Für Onlinejournalisten nichts Neues: Redakteur, hat sich Dein Artikel fürs Haus finanziell gelohnt oder war er lediglich ein Kostenfaktor? Die Antwort ist wenige Klicks entfernt. Was das qualitativ bedeuten könnte, führe ich mir gerne vor Augen, indem ich mir vorstelle, alle Printmedien in Deutschland wären rein anzeigenfinanziert. Welche Blüten diese Denke heute schon treibt, das zeigen Blogger, die sich für werbliche Einträge von Anbietern wie Trigami – Glückwunsch (wie von einigen anderen Bloggern) zur neuen Finanzierungsrunde - bezahlen lassen. Abgründe!
Fazit: Qualität im Journalismus bewusst zu fördern, sich zu differenzieren und auch einmal gegen den Wind zu steuern, wird in den nächsten Jahren zur Voraussetzung für den Fortbestand vieler Medien. Gerade im Web.