Kaum ein Kundenkontakt, in dem Social Media nicht Thema sind – so ging es mir in den vergangenen Monaten. Keine Frage, wir befinden uns mitten in einem Hype. Geradezu nervös werden die Diskussionen in der Branche – oder sollte ich schreiben: den Branchen? Denn im Moment werden Grenzen abgesteckt. Da sind auf der einen Seite die PR-Agenturen und Unternehmen, auf der anderen Seite die Social-Media-Pioniere der ersten Stunde; Blogger, aber auch Webspezialisten, Freelancer im Online-Bereich, die sich über die Art und Weise ärgern, in der traditionelle Medienunternehmen mit dem Social Web umgehen. Berechtigt.
Symptomatisch für die große Nervosität, die der derzeitige Hype um Twitter & Co. auslöst, waren für mich in der zurückliegenden Woche zwei Diskussionen: Zuvorderst der Disput um ein Social Media Camp, das demnächst stattfinden soll. Im Verlauf dieser Diskussion wurde die Frage aufgeworfen, ob PR-Menschen bei einem solchen Social Media Camp eine wesentliche Rolle spielen sollten – oder ob sie dort überhaupt gern gesehen seien. Gestern dann die zweite symptomatische Diskussion: Social Media, dieser Begriff sei ein Unwort, schreibt Jochen Krisch im Blog Exiting Commerce. Der Begriff markiert für ihn den “Versuch einer darbenden Medienindustrie, das Internet für sich zu vereinnahmen”.
Wer ist kompetent, Social Media zu beurteilen, zu entscheiden, ob die Definition überhaupt stimmt? Wer darf Social Media wofür nutzen? Kontroversen, die meines Erachtens keinen Sinn ergeben – der Markt wird es regeln – und die vor allem zeigen, wie sehr das Thema gerade an der Spitze der Gartnerschen Hypekurve steht. Meines Erachtens nicht mehr lange: Sicherlich werden wir, wenn dann auch wirklich jeder auf den Zug aufgesprungen ist, in den nächsten Monaten viel Negatives über den dann zurückliegenden Twitter-Hype lesen.
Macht nichts: Das ist das Ende vom Anfang. Social Media sind meines Erachtens reif dafür, als Standard-Instrumente in gut durchdachte PR-Strategien Eingang zu finden. Ganz unaufgeregt, basierend auf Best Practice. Denn jede Menge Fehler sind gemacht worden, ebenso jede Menge gute Beispiele vorgelegt – jetzt kann die operative Arbeit mit Social Media losgehen, und zwar am besten stets gut eingeordnet in eine gesamtheitliche PR-Strategie.
Schön finde ich indessen, dass die Entwicklung rasant weitergeht und wir mit Mobile Social Media das nächste spannende Early-Adopter-Thema für uns Medien- und PR-Menschen vor der Tür haben. Nachschub für die Hypekurve. Bei einem Barcamp zu Mobile Social Media wäre ich vielleicht sogar dann dabei, wenn ich als Angehöriger der PR-Branche nicht gesondert eingeladen würde…
(Teaser-Foto auf Startseite: kallejipp/photocase.com)
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