Notizen von Bernhard Jodeleit

SPON: Böse Blackberrys, böse E-Mail, böses Telefon

Liebe Kollegin Anne S. von Spiegel Online!

Persönlich kennen wir uns nicht. Macht aber auch nichts, denn Sie haben mich eben bei der Arbeit unterbrochen. Mit diesem Artikel. Das ist gemein. Denn eigentlich wollte ich gerade… -?-

Egal. Im Moment bin ich jedenfalls unterbrochen durch Ihren Artikel. Schreiben Sie doch:

"Handys, Blackberrys, Internet: … tatsächlich verursacht der Schnickschnack viel zu viel Druck und Stress – das Büroleben des 21. Jahrhunderts kostet die Wirtschaft Milliarden."

Also Frau Kollegin. Glauben Sie das jetzt wirklich im Ernst? Ich muss zugeben, dass ich überhaupt nicht den Eindruck habe, dass Internet und E-Mail mich am Arbeiten hindern. Im Gegenteil bin ich dankbar für jede Steckdose im ICE, dankbar für jede E-Mail, die mich beim Zugfahren vor dem nach Ihrer Logik wohl  produktiven Dösen und Lesen in Zeitschriften ablenkt. Und ganz ehrlich, auch im Büro möchte ich nicht mehr auf E-Mail verzichten.

Ich kann mich noch gut erinnern – an Zeiten vor dem, was Sie in Ihrem Artikel als den "Irrsinn in vielen Büros des 21. Jahrhunderts" bezeichnen. Zeiten, in denen es Journalismus gab, aber keine E-Mail. Zeiten, in denen ich Tag für Tag fluchte, weil ich für die redaktionelle Arbeit Informationen brauchte, die irgendein Mensch auf irgendeinem Amt in irgendeiner Schublade gebunkert hatte. Der aber nicht da war. Der nicht ans Telefon ging. Vielleicht weil er gerade hochkonzentriert mit Kollegen den neuesten Tratsch austauschte. Oder sich die Zeit mit Angestellten- oder Beamtenmikado vertrieb. Und bei alldem von keiner E-Mail unterbrochen und von keinem Blackberry gepeinigt wurde. Mensch, war das toll. In diesen Zeiten konnte ich dann halbe oder gar ganze Stunden lang völlig ungestört und konzentriert warten, bis mein Ansprechpartner wieder erreichbar war und mir die entsprechende Auskunft geben konnte. Keine E-Mail lenkte mich ab, kein Kommunikationsversuch brachte mich in Versuchung, die Leerlaufzeit mit produktiver Aktivität zu füllen.

Nun ja. Zurück zu Ihrem Text, Frau S. Wie also die Wissenschaftlerin Gloria Mark der New York Times gesagt hatte und Spiegel Online dann dort gelesen und schließlich auch geschrieben hatte…

…ups, da kam mir gerade eine E-Mail dazwischen. Wo war ich jetzt? Bei der New York Times? Bei Spiegel Online?

Ach, eigentlich schon beim Fragenstellen. Mich interessiert:

a) Muss ich mir Sorgen machen, weil ich effizient und wünschenswert finde, was Spiegel Online da als "Irrsinn in vielen Büros des 21. Jahrhunderts" bezeichnet? Ich bekenne: Ich stehe auf E-Mails! Sogar auf unter "Blackberrys" subsumierte Push-Mail-Clients!
b) Warum musste ein Kollege mir den Link zu diesem Spiegel-Online-Artikel schicken und mich damit von der Arbeit ablenken? Böse!

Noch eine Anregung: In der interaktiven Grafik (tolle Erfindung!) fehlt eindeutig einer der wichtigen Zeitfresser in deutschen Büros überhaupt. Einer, der gewiss die Wirtschaft Milliarden kostet. Jahr für Jahr. Wollen Sie wissen, welcher? Dieser.

  • http://www.randpop.de wonko

    Eben ein typischer SpOn-Artikel: Irgendwelche ominösen Studien die nirgendwo nachgelesen werden können, mischen sich mit Tendenzen die der Autor ‘erfühlt’. Heraus kommt eben dieses tendenziöse Geschreibsel, daß besser in der Rubrik Panorama untergebracht wäre.

  • http://www.randpop.de wonko

    Eben ein typischer SpOn-Artikel: Irgendwelche ominösen Studien die nirgendwo nachgelesen werden können, mischen sich mit Tendenzen die der Autor ‘erfühlt’. Heraus kommt eben dieses tendenziöse Geschreibsel, daß besser in der Rubrik Panorama untergebracht wäre.

  • oberkersch

    Besser kann man es nicht in Worte fassen. Der Inhalt des letzten Abschnitts ging mir beim Lesen der Spiegel-Online Geschichte auch durch den Kopf…

    LG Benni

  • oberkersch

    Besser kann man es nicht in Worte fassen. Der Inhalt des letzten Abschnitts ging mir beim Lesen der Spiegel-Online Geschichte auch durch den Kopf…

    LG Benni