Notizen von Bernhard Jodeleit

Warum Buzz rockt

Google Buzz fasziniert. Google Buzz irritiert. Die üblichen Verdächtigen, die Early Adopters in der und rund um die deutsche Medien-, Internet- und Kreativszene sind auf den Zug aufgesprungen, stöhnen über einen weiteren Inputkanal, den es zu pflegen gilt. Schon bekennen erste Verweigerer freimütig den Buzz-Ausstieg. Ist ja auch eine Ansage. Wenn man schon einmal etwas dazu sagen möchte. So abschließend.
Soweit, so gut. Der übliche Hype, das übliche Bashing, wenn eine neue Plattform im Social Web an den Start geht. Doch in mir regt sich das Gefühl, dass wir, die Informierten, die das Web wie ihre Westentasche kennen und Unternehmen auf ihrem Weg in und durch selbiges beraten, diesmal vielleicht daneben liegen. Ich glaube, wir haben Buzz noch nicht verstanden.
Ich glaube nicht, dass Buzz ein Angriff auf Twitter ist. Buzz ist kein Angriff auf Twitter. Und kein Angriff auf Facebook. Buzz könnte mittelfristig das niederschwelligste aller Social Networks werden. You know what I mean by – “niederschwellig”? Xing: fürs Business. Schwelle zur Kontaktaufnahme eher hoch, für anständige Menschen zumindest. Facebook: auch, und für Privates. Twitter: nehmen viele Menschen fälschlicherweise nur als Microblogging-Plattform wahr, dabei ist es – wie die Blogosphäre ebenfalls – auch ein Social Network. Nur eben ein niederschwelliges. Schwelle zur Kontaktaufnahme durch Verfolgen Anderer: nicht vorhanden, Limit ist lediglich das eigene Interesse an den Statusupdates der anderen Person. Folgen, entfolgen, das geht noch leichter von der Hand als Frienden und De-Frienden. Ganz zu schweigen von Xingen und, faux pas, De-Xingen.  Dennoch: Twitter ist ein Social Network. Ein niederschwelliges. Eins mit schwachen Bindungen. Gerade das ist Twitters Erfolgsrezept. Und wie wir alle wissen, bringen uns oft gerade die schwachen Bindungen ganz unverhofft im Leben massiv weiter. Nicht unsere Frau oder Freundin verschafft uns Auftrag. Es ist der Mensch, den wir um drei Ecken kennen. Oder von Twitter.
Noch niederschwelliger als Twitter ist Buzz. Es rockt. Google nimmt uns hier tendenziell die Entscheidung ab, wem wir folgen. Schlägt uns wie Google Reader laufend neue Informationsquellen vor. Ich lass’ mir das gern gefallen. Autofollowing als Key-Feature, faszinierend. Buzz ist ein Social Network, das extrem niederschwellig, flüchtig und völlig im Fluss ist. Es lebt von den Daten in unserem GMail-Account, künftig vielleicht noch mehr als schon heute vom Social Graph.
Und es lebt von Location! Nicht die Tatsache, dass Buzz mobil funktioniert, sondern wie es mobil funktioniert, ist das Erfrischende. Und wir stehen ja erst ganz am Anfang. Toll!  Ich gebe frei heraus zu, dass mich das leicht euphorisiert: Unterhaltsam, am iPhone in Form von Sprechblasen in Google Maps zu sehen, was in meiner Stadt heute gebuzzt wurde. Und sehr vielversprechend vor allem die Tatsache, dass ich, befinde ich mich an einem Ort, aufgefordert werde, hier an Ort und Stelle zu buzzen, sprich: Meine Meinung zu diesem Ort zu formulieren. Nein, nicht stumpfes “Einchecken” um Punkte zu sammeln. Los, sag was! Diesen Appell wird Google künftig nicht nur dem elitären Kreis der Hypervernetzten entgegenwerfen. Nein, auch ganz normale Konsumenten könnten sich bald damit konfrontiert sehen. Leute, die vielleicht gar keinen Wert darauf legen, mit unsereinem via Twitter und Facebook über das Neueste aus der Netzpolitik zu diskutieren. Normalos, die Google schlicht und ergreifend anvertrauen, ob’s g’schmeckt hat in dem Restaurant. Digitale Reputation von Orten, ich verwende den leicht gestelzten Fachbegriff nicht wirklich gern. Doch dahinter steckt nichts Anderes. Mit Google Buzz kommt User Generated Stuff nun hoffentlich endgültig auf die digitale Landkarte und damit in unseren Alltag. Wird mir Google Maps in zwei Jahren sagen, wo ich heute zu meinen Präferenzen passende Unterhaltung finde, wohin ich ausgehen sollte, wo sich viele Menschen mit ähnlichen Interessen tummeln, die ich vielleicht weder persönlich noch online kenne, an deren Footprint ich mich aber dennoch orientieren kann? Ich glaube ja. Und ich find’s gut.
Das ist meines Erachtens der wahre Kern von Buzz – noch niederschwelligeres Social Networking aus Basis von Semantik und Geoinformationen, der Durchbruch von geobasiertem Microblogging, von geobasierten Nutzerrezensionen und von Location Based Marketing und PR. Ich finde das wahnsinnig aufregend, und ich finde das gut. Das ist Location Based Buzz. Hat Zukunft. Wetten wir?
Photocase4pzz4mja1-262x300 in Warum Buzz rockt

So viel zu sagen - und das überall! Foto: pixx | photocase.com

Google Buzz fasziniert. Google Buzz irritiert. Die üblichen Verdächtigen, die Early Adopters in der und rund um die deutsche Medien-, Internet- und Kreativszene sind auf den Zug aufgesprungen, stöhnen über einen weiteren Inputkanal, den es zu pflegen gilt. Schon bekennen erste Verweigerer den Buzz-Ausstieg. Ist ja auch eine Ansage.

Soweit, so gut. Der übliche Hype, das übliche Bashing, wenn eine neue Plattform im Social Web an den Start geht. Doch haben wir die neue Plattform überhaupt schon verstanden?

Ich glaube nicht, dass Buzz ein Angriff auf Twitter ist. Buzz ist kein Angriff auf Twitter. Und kein Angriff auf Facebook. Buzz könnte mittelfristig das niederschwelligste aller Social Networks werden. You know what I mean by – “niederschwellig”? Xing: fürs Business. Schwelle zur Kontaktaufnahme eher hoch, für anständige Menschen zumindest. Facebook: auch, und für Privates. Twitter: nehmen viele Menschen fälschlicherweise nur als Microblogging-Plattform wahr, dabei ist es – wie die Blogosphäre ebenfalls – auch ein Social Network. Nur eben ein niederschwelliges. Schwelle zur Kontaktaufnahme durch Verfolgen Anderer: nicht vorhanden, Limit ist lediglich das eigene Interesse an den Statusupdates der anderen Person. Folgen, entfolgen, das geht noch leichter von der Hand als Frienden und De-Frienden. Ganz zu schweigen von Xingen und, faux pas, De-Xingen.  Dennoch: Twitter ist ein Social Network. Ein niederschwelliges. Eins mit schwachen Bindungen. Gerade das ist Twitters Erfolgsrezept. Und wie wir alle wissen, bringen uns oft gerade die schwachen Bindungen ganz unverhofft im Leben massiv weiter. Wer verschafft uns plötzlich einen Auftrag, einen Auftritt, eine Gelegenheit? Es ist der Mensch, den wir um drei Ecken kennen. Oder von Twitter.

Noch niederschwelliger als Twitter ist Buzz. Es rockt. Google nimmt uns hier tendenziell die Entscheidung ab, wem wir folgen. Schlägt uns wie Google Reader laufend neue Informationsquellen vor. Ich lass’ mir das gern gefallen. Autofollowing als Key-Feature, faszinierend. Buzz ist ein Social Network, das extrem niederschwellig, flüchtig und völlig im Fluss ist. Es lebt von den Daten in unserem GMail-Account, künftig vielleicht noch mehr als schon heute vom Social Graph.

Ds6 in Warum Buzz rockt

Location Based Microblogging bei Google Buzz

Und es lebt von Location! Nicht die Tatsache, dass Buzz mobil funktioniert, sondern wie es mobil funktioniert, ist das Erfrischende. Und wir stehen ja erst ganz am Anfang. Toll! Unterhaltsam, am iPhone in Form von Sprechblasen in Google Maps zu sehen, was in meiner Stadt heute gebuzzt wurde. Und bald auch nützlich. Denn sehr vielversprechend ist die Tatsache, dass ich, befinde ich mich an einem Ort, aufgefordert werde, hier an Ort und Stelle zu buzzen, sprich: Meine Meinung zu diesem Ort zu formulieren. Nein, nicht stumpfes “Einchecken” um Punkte zu sammeln. “Los, sag was!” Diesen Appell wird Google künftig nicht nur dem elitären Kreis der Hypervernetzten entgegenwerfen. Nein, auch ganz normale Konsumenten könnten sich bald damit konfrontiert sehen. Unterwegs. Dort, wo die Betroffenheit entsteht. Leute, die vielleicht gar keinen Wert darauf legen, mit unsereinem via Twitter und Facebook über das Neueste aus der Netzpolitik zu diskutieren. Normalos, die Google schlicht und ergreifend anvertrauen, ob’s g’schmeckt hat in dem Restaurant. Digitale Reputation von Orten, ich verwende den leicht gestelzten Fachbegriff nicht wirklich gern. Doch dahinter steckt nichts Anderes. Mit Google Buzz kommt User Generated Stuff nun hoffentlich endgültig auf die digitale Landkarte und damit in unseren Alltag. Wird mir Google Maps in zwei Jahren sagen, wo ich heute zu meinen Präferenzen passende Unterhaltung finde, wohin ich ausgehen sollte, wo sich viele Menschen mit ähnlichen Interessen tummeln, die ich vielleicht weder persönlich noch online kenne, an deren Footprint ich mich aber dennoch orientieren kann? Ich glaube ja. Und ich find’s gut.

Das ist meines Erachtens der wahre Kern von Buzz – noch niederschwelligeres Social Networking auf Basis von Semantik und Geoinformationen, der Durchbruch von geobasiertem Microblogging, von geobasierten Nutzerrezensionen und von Location Based Marketing und PR. Ich finde das wahnsinnig aufregend, und ich finde das gut. Das ist Location Based Buzz. Hat Zukunft. Wetten wir?

  • http://www.google.com/profiles/marcus.schuler Marcus Schuler

    Ich mag nicht so recht Deiner Argumentation folgen. Ich halte Buzz für ein besseres FriendFeed. Schon allein die Tatsache, dass Google mehr oder minder ungefragt, für mich potentielle Follower raussucht, finde ich grenzwertig – ermittelt auf Basis derer, mit denen man viel mailt. Nur wer weiß, dass er im Profil genau jene Liste auf „nicht-öffentlich“ schalten kann, verhindert die Veröffentlichtung die Namen derjenigen, mit denen er häufig mailt. Das aber nur am Rande.
    Buzz ist mir „noch“ zu kompliziert: Denjenigen, denen ich folge und die viele Follower haben sowie viele Buzzes veröffentlichen stehen in der Diskussionsliste immer ganz oben. Habe ich selbst wenige Mitleser rangieren meine Threads oder Diskussionspfade „weiter unten“.
    Buzz hat keinen richtigen Mittelpunkt, kein Zentrum. Da smacht es für mich „unbehaglich“. Es fehlt eine zentrale Schnittstelle. Die kann bitte nicht das Profile sein, das sich erst in einem neuen Fenster öffnet, wenn ich auf meinen eigenen Namen klicke….ahhhhh
    Schmerzlich vermisse ich eine Art „Re-Tweet“ Funktion.
    Ich finde Buzz alles andere als unterschwellig. Bei Twitter gibt es viel Grundrauschen. Die Zeichenbeschränkung fehlt, das lässt Diskussion oft ausufern und erfordert entsprechende Lesezeit. Bei Buzz muss ich Diskussionen viel aufmerksamer verfolgen, es ist weit weniger ein „Web-Nebenher-Medium“.

  • http://www.google.com/profiles/jodeleit Bernhard Jodeleit

    Marcus, ich stimme Dir in allen Punkten zu. Dennoch glaube ich, dass Buzz erfolgreich wird. Aus den genannten Gründen. Lass uns die intensiven Connections weiterhin in den bewährten Netzwerken pflegen. Buzz ist kein Facebook-Ersatz. Aber es bringt zusätzliche Möglichkeiten ins Spiel.

  • http://www.tobiasglawe.com abotis

    Auf längere Sicht sehe ich in Buzz eher eine Alternative zu Friendfeed. Buzz fördert die Kommunikation unter den Teilnehmern deutlich mehr als typischer Aggregator. Und ich glaube nicht, dass wir aktuell schon das finale Featureset von Buzz sehen.

  • http://parkrocker.com Parkrocker

    Um aus Buzz eine Alternative zu FriendFeed zu machen, müsste Buzz meiner Ansicht nach den aggregierten Content auch wieder an andere Dienste wie z.B. Twitter ausgeben können – für nichts anderes nutze ich aktuell FriendFeed.
    Was mich aktuell extrem an Buzz stört, ist eher das strange Nutzungsverhalten meiner Kontakte. Ich mag halt nicht x-fach den Content lesen, den ich bereits von Twitter kenne. Besonders erschreckt hat mich, dass ein Moderator einer mit Social Media befassten Xing-Gruppe nicht verstanden hat, wieso er seine Tweets nicht nochmal durch Twitter jagen sollte. Ab einem bestimmten Punkt werden die ganzen Duplikate halt unangenehm.
    Ich sehe durchaus Potenzial für Buzz, in seiner aktuellen Form ist es für mich aber nicht produktiv nutzbar. Was ich mir für die Zukunft wünschen würde, wäre z.B. eine Funktion, mit der ich gezielt einzelne Dienste wie Twitter bei einzelnen Nutzern ausblenden kann ohne gleich den ganzen Kontakt ausblenden zu müssen.

  • http://www.google.com/profiles/jodeleit Bernhard Jodeleit

    Nein, das Featureset wird sich sicher rasch weiterentwickeln. Gestern hat Google “Maps” um ein Lab erweitert, in dem experimentelle Funktionen Nutzern zum Test angeboten werden. Bislang sind noch keine Social Features dabei. (Betonung auf bislang.)

  • http://www.google.com/profiles/jodeleit Bernhard Jodeleit

    Jens (Parkrocker), ich importiere im Moment sehr viel nach Buzz, u.a. meinen kompletten Feed. Zu viel? In ein paar Tagen weiß ich mehr. Die Frage, welchen Content man wohin schiebt, was man aggregiert und was nicht, gehört sicherlich zu den taktischen Herausforderungen innerhalb jeder Kommunikationsstrategie (sorry, ein Beratersatz). Beispiel Facebook und Twitter: Vor zwei Jahren fanden es viele Menschen sinnvoll, ihre Tweets in den Facebook-Status zu importieren. Fand ich anstrengend redundant. Daher importierte ich Tweets “nur” in den Facebook-Feed, nicht in die Statusmeldung. Ungefähr ein Jahr lang war das genau richtig. Ab dem Moment, in dem Facebook die neuen Live-/Hauptmeldungen einführte, wurden die auf diese Weise via Friendfeed importierten Tweets jedoch plötzlich omnipräsent in den Facebook-Timelines meiner dortigen Kontakte. Daher lasse ich den Import jetzt sein. Damit einher ging im Grunde sogar eine Repositionierung auf Facebook: Bin dort im Durchschnitt jetzt ein wenig leiser und relaxter unterwegs als auf Twitter. Oder gar Buzz.

    “Produktiv nutzbar” ist Buzz auch für mich nicht. Aber ich sehe sehr großes Potenzial für Mobile Marketing. Letzteres wird 2010 sowieso ein sehr spannendes Thema.

  • http://twitter.com/CoBMedia CoB Media

    Danke Bernhard für diesen ausführlichen und verständlichen Artikel zu Google Buzz. Deine Betrachtungsweise ist sehr erfrischend und stimmt positiv auf Google Buzz. Dies können viele bestimmt gut gebrauchen, da ja eher eine negative Stimmung herrscht und mit Sicherheit viele unsichere Menschen massiv beeinflusst. Gerade weil sich bisher kaum einer auskennt. Ich freue mich auf weitere Artikel in dieser Richtung!

  • http://twitter.com/nrw_forum NRW-Forum Düsseldorf

    Kostenloses Whitepaper: Wie sich Google Buzz für das Business nutzen lässt http://njyyy.xrt.me